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Pressemitteilung | Bühl, 21.05.2019


Informationsveranstaltung „Barrierefrei in Bühl“

In der Reihe „Freie Wähler vor Ort“ trafen sich Mandatsträger und Kandidaten der Freien Wähler Bühl mit Betroffenen und deren Angehörigen am vergangenen Dienstag beim Busbahnhof in Bühl zu einer Informationsveranstaltung zum Thema „Barrierefrei in Bühl“. Um anhand von Beispielen zu verdeutlichen, wie sich Behinderte durch die Bühler Innenstadt bewegen müssen, hatte Fabian Ruf, der beruflich als Sachverständiger für barrierefreies Bauen tätig ist, einen Rundgang mit mehreren Stationen vorbereitet. An jeder Station erfuhren die Teilnehmer zunächst, um welche Barriere es an dieser Stelle geht. Für Menschen ohne Behinderung war dies im ersten Moment nicht immer ersichtlich. Damit die Teilnehmer sich besser in die Lage der Menschen mit Sehbehinderung hineinversetzen konnten, bot Fabian Ruf an, die von ihm bereitgestellten Simulationsbrillen zu tragen, mit deren Hilfe sich unterschiedliche Augenkrankheiten simulieren ließen. Damit wurde am Busbahnhof sofort klar, dass es einem Sehbehinderten schlichtweg unmöglich ist, den Bussteig einer bestimmten Linie zu finden. Für Sehbehinderte sind das Smartphone, Apps mit Erkennung von QR-Codes und Vorlesefunktion wichtige Hilfsmittel im Alltag. Doch leider finden sich auf den Fahrplänen des Bühler Omnibusbahnhofs noch keine QR-Codes.

Für Rollstuhlfahrer stellen vor allem Rampen mit zu starker Steigung große Barrieren im Alltag dar. Die Auffahrt aus der Unterführung beim Bahnhof wurde für Johannes Moosheimer, der sich testweise in den Rollstuhl setzte, zum wahren Kraftakt, den er ohne Hilfe kaum meistern konnte. Erfahrungsberichte betroffener Angehöriger von Rollstuhlfahrern klingen ähnlich. Nicht selten kämen junge Pflegekräfte völlig entkräftet von der Ausfahrt im Rollstuhl mit der von ihnen zu betreuenden Person zurück, ohne die Unterführung beim Bahnhof erfolgreich passiert zu haben. Auch die Rampe zum Bahnsteig sei zu steil gebaut. Die Lösung zur Überwindung von solch großen Höhenunterschieden wären rollstuhlgerechte Aufzüge. Dass auch bei Neubauten wie dem Ärztehaus in der Gartenstraße statt eines behindertengerechten Aufzugs lediglich ein Plattformlift eingebaut wurde, stößt bei Fabian Ruf auf Unverständnis. Aus seiner Sicht ist hier die örtliche Baubehörde gefordert, solche Fehlplanungen spätestens in der Planungsphase korrigieren zu lassen. Noch besser und in den meisten Fällen nicht teurer wäre es, wenn bereits die Architekten in ihren ersten Planentwürfen die Barrierefreiheit berücksichtigten.

Auf der weiteren Route durch die Gartenstraße stadteinwärts wurde klar, dass der dortige Gehweg durch seine zur Fahrbahn hin abfallende Schräge nur mühsam von Rollstuhlfahrern befahrbar ist. Die Fußgängerampel in der Eisenbahnstraße weist weder Vibrationsplatten noch akustische Signale während der Grünphase auf. So kommt es dazu, dass Sehbehinderte lieber einige Meter abseits der Ampel versuchen die Straße zu überqueren, um nicht versehentlich während der Rotphase über die Ampel zu gehen.

Das Blindenleitsystem auf dem Marktplatz testete die Gruppe mit geschlossenen Augen und Blindenstöcken. Leider gibt es während der Marktzeit Überschneidungen mit den dann aufgebauten Marktständen. Auch während des Adventsmarktes ist das Blindenleitsystem teilweise überbaut.

Bei den behindertengerechten öffentlichen Toiletten am Busbahnhof und im Rathaus 2 wurden ebenfalls einige Probleme ermittelt. Beide Toiletten sind mit dem europaweit standardisierten Schließsystem für behindertengerechte Toiletten ausgestattet. So können nur Behinderte, die einen hierfür passenden Schlüssel besitzen, die Toiletten nutzen. Leider zeigt keine der Toiletten an, ob sie gerade besetzt ist. So passiere es, dass ein Zweiter die Toilette aufschließt und die Tür öffnet, was oft für peinliche Situationen sorgt. Ruf wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass in den Bühler Gastronomiebetrieben kaum behindertengerechte Toiletten vorhanden seien. So müsse ein Rollstuhlfahrer vom Johannesplatz aus für einen Toilettengang erst einmal zum Marktplatz fahren. Auch hier müsse das Bauamt bei Umbaumaßnahmen auf die Integration einer barrierefrei erreichbaren Toilette achten.

Zum Abschluss des Rundganges wies Ruf noch auf die zeitliche Begrenzung der Nutzung von Parkplätzen für Schwerbehinderte hin. Diese seien in Bühl meist auf zwei Stunden begrenzt, was für viele Schwerbehinderte einen viel zu kurzen Zeitraum darstelle, der mindestens auf vier Stunden erweitert werden müsse.

Vorsitzender Johannes Moosheimer und Fraktionsvorsitzender Karl Ehinger bedankten sich bei Fabian Ruf für die Planung und Durchführung dieser Veranstaltung. Die Sichtweise auf Barrieren für behinderte Mitbürger auf ihrem Weg durch die Bühler Innenstadt hat sich durch die Teilnahme bei dieser Veranstaltung verändert. Erst nachdem man sich tatsächlich mit eingeschränktem Sehvermögen oder im Rollstuhl sitzend fortbewegen muss, erkennt man die Tragweite, welche diese für behinderte Menschen haben kann.

Weitere Informationen über die Termine der Reihe „Freie Wähler vor Ort“ sowie über deren Kandidatinnen und Kandidaten für die Kommunalwahlen erhalten Sie im Internet unter www.freie-waehler-buehl.de.

Bilder zur Veranstaltung finden Sie in » unseren Impressionen.

Letzte Aktualisierung 11.06.2019  |  © 2019 Freie Wähler Bühl   |   Design TS Fromme, IT
 

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